érection – Pierre Rigal

Vier Linien. Vier Flächen. Quadrat. Mensch.

Es ist dunkel. Hohe stakkatoartige Töne erinnern an die im Krankenhaus laufenden Maschinen. Geburtsstunde.

Ein Mensch liegt auf dem Boden. Versuche Aufzustehen. Liegen. Beugen. Fallen.

Der Prozess der Errichtung des menschlichen Körpers zum Homo erectus, zum aufrecht laufenden Menschen, steht im Fokus der Solo-Performance. Plötzliche, „ungekonnte“ Körperbewegungen, die zunächst sehr animalisch wirken, gewinnen nach und nach an Komplexität und Feinheit. Im Laufe der Interaktion mit der „Umwelt“, dem Quadrat, steht der Mensch auf.

Er läuft. Er springt. Er wird digital. érection.

„érection“ ist eine Hi-Tech-Erzählung. Sehr moderner Sound in Kombination mit den archaischen Bewegungen des Tänzers bildet eine Einheit.  Giftig Blau. Giftig Grün.  Giftig Rot. Schwarz.

Schnitt.

Was ist ein Mensch? Was ist Evolution? Was sind Menschen im Evolutionsprozess? Was bedeutet das Menschwerden? Was ist unser Körper in der technischen Welt? Was macht ein Individuum aus? Was ist ein Dividuum? Was ist Intellekt?

Schnitt.

Ein perfekter Körper erforscht aktiv den Raum. Wir sehen einzelne Frames seiner Geschichte. Urmensch. Mensch der Prämoderne, Moderne, Postmoderne.

Ist „érection“  eine philosophische Reflexion? Ist  „èrection“  eine Art Erinnerung, Erinnerung  als subjektive Erfahrung?

Schnitt.

Es ist dunkel. Grüne Linien  spannen einen Raum auf. Wir sehen einen “Doppelkörper”.

Schnitt.

érection.

Eine Antwort zu “érection – Pierre Rigal”

  1. bruder_b Sagt:

    Besondere Aufmerksamkeit erregt für mich der Umstand, welcher im Post wie folg angerissen wird: “Im Laufe der Interaktion mit der „Umwelt“, dem Quadrat, steht der Mensch auf.”

    Die Biologie lehrt uns wo es nur irgendwo geht, dass “die Natur” (also der Gegenstand der sogenannten Naturwissenschaften) und alles, was eben darunter fällt (von Bewegungen von Atomen bis moralischen Verhalten des Menschen in konfliktträchtigen Situationen) gewissen Gesetzmäßikeiten folgen. Solcher Gesetzmäßigkeiten können nur dann als solche bezeichnet werden, wenn sie rational, ökonomisch, mathematisch funktionieren (denn das Chaotische schafft ja schließlich keine Ordnung).

    Die Funktionsweisen solcher Rationalitäten werden nun auch in besonderer Weise in Anbetracht der Erklärung der Evolution zu Rate gezogen. Bei der “Aufrichtung” des Menschen, welche die Performance offenbar thematisiert, lehrt uns die Biologie ebenso die zentrale Funktion von rationalen und kausalen Anpassungen. So finden sich etliche Hypothesen, welche die Aufrichtung des Menschen erklären sollen: “Savannenübersicht, Abkühlungseffekt, Energieeffizienz, Wasserwaten, Nahrungstransport, Soziale Interaktion, Werkzeuggebrauch, Hohe Beeren” und sonstige Vorzüge des aufrechten Gangs werden hier bemüht.

    Was nun alle diese Erklärungen gemein haben, ist, dass sie den Menschen nicht als ein autonomes System verstehen, welches sich seine Handlungsgründe selber generieren könnte. Vielmehr unterstreichen alle diese Varianten, dass der Mensch eben nur in Korrelation zu seiner “Umwelt” den aufgerechten Gang entwickelt haben kann.

    Dementsprechend stellt das beschriebene Quadrat in der Peformance, welches als “Umwelt” charakterisiert wird, eine wesentlich zentralere Komponente im Prozess des Aufrichtens dar, als man dies zunächst vermuten mag.

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